Häusliche Krankenpflege (HKP)
Pflegeleistung nach § 37 SGB V, die Versicherten zu Hause statt im Krankenhaus verordnet werden kann.
Was ist häusliche Krankenpflege (HKP)?
Häusliche Krankenpflege (HKP) ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 37 SGB V. Sie ermöglicht es, medizinisch notwendige Pflege- und Behandlungsmaßnahmen im häuslichen Umfeld des Patienten statt stationär im Krankenhaus durchzuführen. Die Leistung wird von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet und von einem ambulanten Pflegedienst erbracht. Weil jede Verordnung nur für einen festen Zeitraum gilt, muss der Pflegedienst rechtzeitig eine Folgeverordnung anfordern – das strukturierte Verordnungsmanagement ist deshalb ein zentraler Teil der häuslichen Krankenpflege.
HKP – Bedeutung der Abkürzung
HKP steht für „häusliche Krankenpflege“. Im Pflegealltag ist mit „HKP“ meist die ärztlich verordnete Pflege nach § 37 SGB V gemeint — und oft auch die zugehörige Verordnung auf dem Formular Muster 12. Wer von einer „HKP-Verordnung“ spricht, meint also das Papier, mit dem der Pflegedienst seine Leistungen bei der Krankenkasse abrechnen kann.
Arten der häuslichen Krankenpflege
Das Gesetz unterscheidet vor allem zwei Fälle:
- Krankenhausvermeidungs- und Krankenhausverkürzungspflege (§ 37 Abs. 1 SGB V): Sie kommt in Betracht, wenn eine Krankenhausbehandlung geboten, aber nicht ausführbar ist oder durch die häusliche Krankenpflege vermieden oder verkürzt wird. Sie ist grundsätzlich auf bis zu vier Wochen je Krankheitsfall begrenzt; in begründeten Ausnahmefällen kann die Krankenkasse sie länger bewilligen.
- Sicherungspflege (§ 37 Abs. 2 SGB V): Behandlungspflege, die erforderlich ist, um das Ziel der ärztlichen Behandlung zu sichern — etwa Medikamentengabe oder Wundversorgung. Sie wird für den auf der Verordnung genannten Zeitraum bewilligt und häufig über längere Zeit mit Folgeverordnungen fortgeführt.
Welche Leistungen gehören zur häuslichen Krankenpflege?
Zur HKP zählen unter anderem Behandlungspflege (z. B. Medikamentengabe, Injektionen, Wundversorgung), Grundpflege sowie hauswirtschaftliche Versorgung. Sie ist der mit Abstand häufigste Verordnungstyp im ambulanten Pflegedienst. Welche Maßnahmen im Einzelnen möglich sind und was auf der Verordnung angekreuzt werden kann, erklären wir auf der Seite HKP-Leistungen.
Voraussetzungen für häusliche Krankenpflege
Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, müssen im Regelfall mehrere Punkte zusammenkommen:
- Eine ärztliche Verordnung (Muster 12) liegt vor, die die notwendigen Leistungen, deren Häufigkeit und den Zeitraum benennt
- Die Leistungen sind medizinisch notwendig
- Es gibt keine im Haushalt lebende Person, die die Pflege im erforderlichen Umfang selbst übernehmen kann (§ 37 Abs. 3 SGB V)
- Die Krankenkasse genehmigt die Verordnung — oder die Genehmigungsfiktion greift
Ablauf: Von der Verordnung bis zur Folgeverordnung
In der Praxis läuft häusliche Krankenpflege meist in diesen Schritten ab:
- Die Ärztin oder der Arzt stellt die Verordnung aus
- Der Pflegedienst prüft sie auf Vollständigkeit und Unterschrift
- Der Pflegedienst reicht die Verordnung bei der Krankenkasse ein. Nach der HKP-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sollte das spätestens am dritten Arbeitstag nach der Ausstellung geschehen — bei späterer Vorlage kann die Kasse Leistungen für die Zwischenzeit ablehnen
- Die Krankenkasse genehmigt oder lehnt ab — oder bleibt innerhalb der gesetzlichen Frist untätig
- Der Pflegedienst erbringt die Leistungen und dokumentiert sie
- Vor Ablauf wird eine Folgeverordnung angefordert, damit keine Versorgungslücke entsteht
Häusliche Krankenpflege beantragen: so läuft es ab
Einen klassischen Antrag auf häusliche Krankenpflege stellen Versicherte in der Regel nicht selbst. Der Anspruch entsteht über die ärztliche Verordnung: Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt stellt auf dem Formular Muster 12 die benötigten Leistungen, deren Häufigkeit und den Zeitraum aus.
Die Verordnung wird anschließend bei der Krankenkasse zur Genehmigung eingereicht — in der Praxis meist durch den ambulanten Pflegedienst. Wichtig ist die Frist: Nach der HKP-Richtlinie sollte sie spätestens am dritten Arbeitstag nach der Ausstellung vorliegen. Was gilt, wenn die Kasse nicht rechtzeitig entscheidet, steht unter Genehmigungsfiktion.
Zuzahlung bei häuslicher Krankenpflege
Versicherte ab 18 Jahren zahlen in der Regel eine Zuzahlung: 10 Prozent der Kosten für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr sowie 10 Euro je Verordnung. Wer seine persönliche Belastungsgrenze erreicht hat, kann sich bei seiner Krankenkasse von Zuzahlungen befreien lassen.
Abgrenzung zur Pflegeversicherung
HKP wird über die Krankenkasse (SGB V) abgerechnet und ist von Leistungen der Pflegeversicherung (SGB XI) zu unterscheiden, die z. B. bei einem festgestellten Pflegegrad greifen. In der Praxis überschneiden sich beide Bereiche häufig bei denselben Patient:innen: Ein Pflegedienst rechnet dann Leistungen nach SGB V und SGB XI nebeneinander ab.
Was häusliche Krankenpflege für die Verwaltung im Pflegedienst bedeutet
Jede HKP-Verordnung hat einen Beginn, ein Ende und in der Regel Folgeverordnungen. Bei vielen Patient:innen entsteht so ein laufender Strom an Fristen, Anfragen bei Arztpraxen und Genehmigungen. Wie sich das strukturiert lösen lässt, beschreiben wir unter Verordnungsmanagement. Verora übernimmt dabei Erfassung, Fristenüberwachung und die Anforderung der Folgeverordnung – mehr dazu unter Verordnungsmanagement für die ambulante Pflege.
Häufige Fragen
Was bedeutet HKP?
HKP steht für häusliche Krankenpflege. Gemeint ist die ärztlich verordnete Pflege im häuslichen Umfeld nach § 37 SGB V, die von einem ambulanten Pflegedienst erbracht und mit der Krankenkasse abgerechnet wird.
Wie beantrage ich häusliche Krankenpflege?
Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung (Muster 12) aus. Diese wird bei der Krankenkasse zur Genehmigung eingereicht, in der Praxis meist vom Pflegedienst. Die Kasse entscheidet dann über die Kostenübernahme.
Wer verordnet häusliche Krankenpflege?
Die Verordnung stellt in der Regel die behandelnde Vertragsärztin oder der behandelnde Vertragsarzt aus, im Rahmen des Entlassmanagements auch das Krankenhaus.
Wer bezahlt häusliche Krankenpflege?
Die gesetzliche Krankenkasse trägt die Kosten der genehmigten Leistungen. Versicherte ab 18 Jahren leisten in der Regel eine Zuzahlung.
Wie lange läuft eine Verordnung für häusliche Krankenpflege?
Den Zeitraum legt die verordnende Ärztin oder der Arzt fest; er steht auf der Verordnung. Bei Krankenhausvermeidungspflege gilt grundsätzlich eine Begrenzung auf bis zu vier Wochen je Krankheitsfall, bei Sicherungspflege wird über Folgeverordnungen fortgesetzt.
Ist häusliche Krankenpflege dasselbe wie Leistungen der Pflegeversicherung?
Nein. Häusliche Krankenpflege ist eine Leistung der Krankenversicherung (SGB V), Pflegegrade und die zugehörigen Leistungen gehören zur Pflegeversicherung (SGB XI). Beide können nebeneinander bestehen.
Was tun, wenn die Krankenkasse die Verordnung ablehnt?
Der Pflegedienst oder die Praxis kann Widerspruch einlegen; oft hilft schon eine Rückfrage oder eine ergänzende ärztliche Begründung. Reagiert die Kasse nicht rechtzeitig, kann außerdem die Genehmigungsfiktion greifen. Bis zur Klärung sollte die Versorgung dokumentiert werden, da für ungenehmigte Zeiträume grundsätzlich kein Abrechnungsanspruch besteht.
Diese Erklärung dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
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